Novemberrevolution und Räterepublik 1918/19 in Augsburg, München und Bayern

Aus dem Telegramm der Sowjetregierung »An alle Arbeiter-, Soldaten- und Matrosenräte Deutschlands«

Zarskoje Selo, 11. November

Wir haben Radio von Kiel erhalten, daß Arbeiter, Soldaten und Matrosen Deutschlands die Macht erlangt haben. Die russische Räteregierung beglückwünscht Euch von ganzem Herzen…

Arbeiter, Soldaten und Matrosen Deutschlands, solange Ihr eine Regierung duldet, die aus Prinzen, Kapitalisten und Scheidemännern besteht, habt Ihr die Macht nicht in den Händen… Es gilt, mit den Waffen in der Hand wirklich die Macht überall zu übernehmen, eine Arbeiter-, Soldaten- und Matrosenregierung mit Liebknecht an der Spitze zu bilden. Laßt Euch keine Nationalversammlungen aufschwatzen: Ihr wißt, wohin Euch der Reichstag gebracht hat.

Nur die Arbeiter-, Soldaten- und Matrosenräte und eine Arbeiterregierung werden das Vertrauen bei den Arbeitern und Soldaten der anderen Länder erwecken. Sie wird den Arbeitern Englands und Frankreichs einen ehrlichen Frieden vorschlagen, und wir sind fest überzeugt, daß diese unserem und Eurem Beispiel folgen, mit ihren Kapitalisten und Generälen abrechnen werden und daß dann ein ehrlicher Volksfriede geschlossen wird.

Es gilt gleichzeitig mit dem Kampfe um Friede und Freiheit den Kampf um Brot zu führen. In Rußland gibt es in der Ukraine, am Don, im Kubangebiet genug Brot für uns und Euch. Darum sucht die englische Regierung schnell durch das Schwarze Meer nach Südrußland zu gelangen, um dort den Generälen Denikin, Krasnow und Skoropadski zu helfen, das Brot den Arbeitern zu entreißen. Unsere Rote Armee kämpft mutig gegen die Banden der Arbeiterfeinde, die auch von Euren Generälen und der Regierung der Scheidemänner unterstützt werden. Wollt Ihr Brot haben, dann gilt es, schnell zu handeln, bevor die Engländer es wegschnappen. Die deutschen Arbeiter-, Soldaten- und Matrosenräte müssen sofort durch Funkspruch und Delegierte den deutschen Soldaten in der Ukraine den Befehl geben. Während die Rote Armee diese Banden von Norden angreift (die Kräfte Krasnows sind sehr schwach), können wir ihn in ein paar Wochen geschlossen erdrücken, und dann gibt es Brot für Euch.

Arbeiter-, Soldaten- und Matrosenräte, die Regierung Scheidemanns hat den Gesandten der russischen Räteregierung aus Berlin hinausgejagt aus Angst, daß er die Verbindung zwischen den deutschen und russischen Soldaten und Arbeitern herstellen könnte. Wir können nicht sofort Delegierte zu Euch senden, da die deutschen Generäle in Litauen und Polen den Weg zu Euch versperren, bis Ihr die Generäle Hoffmann und Beseler an die Kandare genommen habt. Verbindet Euch mit uns durch Funkspruch, ruft die Moskauer und Zarskoje Seloer Funkstation an und teilt mit, was in Deutschland geschieht. Wir spannen alle Kräfte an, um Euch bald Brot zu senden.

Es lebe die internationale Solidarität der Arbeiter und der Soldaten!

Es lebe das Bündnis der freien russischen Arbeiter und deutschen Soldaten und Matrosen!

Es lebe die deutsche Räterepublik!

Die russische Arbeiter-, Bauern- und Soldatenregierung

Veröffentlicht in »Die Rote Fahne«, Berlin, 18. November 1918

Übernommen aus Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd. 3, Berlin/DDR 1966, S. 492ff.

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