Novemberrevolution und Räterepublik 1918/19 in Augsburg, München und Bayern

Sitzung des Arbeiter- und Soldatenrates Augsburg

Augsburger Postzeitung, 15. November 1918

Augsburger Postzeitung, 15. November 1918

Augsburger Postzeitung, 15. November 1918

Der Arbeiter- und Soldatenrat Augsburg hat in seiner dritten Vollsitzung am 12. November 1918 wieder eine große Anzahl von wichtigen Beschlüssen gefaßt, u.a.: Der städtische Oberbaurat Holzer erhält Generalvollmacht zur Durchführung der zur Lösung der Wohnungsfrage notwendigen Maßnahmen. Die Vertreter der Bauernschaft, die sich unter Führung des Pfarrers Dr. Amser an uns gewandt haben, werden begrüßt. Ihre Mitarbeit ist willkommen. Wir unterstützen sie in der Bildung eines Bauernrates. Über die Art der Zusammenarbeit wird im einzelnen noch Beschluß gefaßt. Von der unabhängigen sozialdemokratischen Partei Augsburg werden 3 Vertreter in den Arbeiterrat aufgenommen. Der Soldatenrat wählt dafür ebenfalls weitere drei Mitglieder dazu. Der Zentrumspartei Augsburg ist in Beantwortung ihres Schreibens vom 12. November mitzuteilen, daß es uns freut, daß sie zur Mitarbeit bereit ist und daß wir gelegentlich auch davon Gebrauch machen werden. Die heute tagende Vollversammlung des Arbeiter- und Soldatenrates erklärt, auf dem am 9. November gefaßten Beschluß, die Sitzungen des Magistrats und des Gemeindekollegiums durch den Vollzugs-Ausschuß des Arbeiter- und Soldatenrates zu überwachen, so lange stehen zu bleiben, bis dem Arbeiter- und Soldatenrat durch das Ministerium weitere Instruktionen erteilt werden. Der Arbeiter- und Soldatenrat erhebt gleichzeitig den schärfsten Protest gegen das ungezogene Benehmen untergeordneter Beamter und Bediensteter gegenüber Mitgliedern des Arbeiter- und Soldatenrates und verlangt vom Direktorium, daß diese angewiesen werden, die Befehle des Arbeiter- und Soldatenrates unbedingt und ohne Widerrede auszuführen. Je ein Mitglied des Arbeiter- und des Soldatenrates hat sich mit dem für den 13. November zum Minister des Innern geladenen Oberbürgermeister zugleich dorthin zu begeben. Die Magistratsbeamten sind zu verpflichten. Das Schreiben der Christlichen Gewerkschaften wird der Verhandlungskommission zur persönlichen Fühlungnahme überwiesen. Am Bahnhof sind Plakate anzubringen, daß in Augsburg das Garnisonskommando mit dem Arbeiter- und Soldatenrat zusammenarbeitet. Zweck ist die Aufklärung der aus dem Felde zurückkehrenden demobilisierten Mannschaften. Ein Antrag der 3. stellv. Infanterie-Brigade betr. die Entlassung von Militärgefangenen wird angenommen.

Für den Arbeiterrat wird Genosse Feinhase, für den Soldatenrat Kamerad Bertram ermächtigt, im Auftrag und in Vertretung im Falle der Verhinderung der Vorsitzenden zu unterzeichnen. Wichtige Schriftstücke bleiben dem Vorsitzenden zur Unterzeichnung vorbehalten. Es wird eine Medizinal-Kommission gebildet aus den Genossen Wenthaler und Hopp und den Kameraden Baur und Heimerl. Zum Arbeiter- und Soldatenrat können Beiräte und Sitz und Stimme zugezogen werden. Beurlaubungen nach der Pfalz finden nicht mehr statt, da die Beurlaubten nicht mehr in die Pfalz gelangen können.

 

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