Novemberrevolution und Räterepublik 1918/19 in Augsburg, München und Bayern

Die Nationalversammlung in Bayern

Die Rote Fahne, 23. November 1918

Die Rote Fahne, 23. November 1918

Rote Fahne (Berlin), 23. November 2018, Seite 2

Daß »Berliner Tageblatt« bringt eine Unterredung ihres Münchener Mitarbeiters mit allen Häuptern der bayerischen Sozialdemokratie über die Frage der Nationalversammlung.

Daß die Timm, Roßhaupter, Segitz, Schmidt usw. für die »Demokratie«, nämlich für die bürgerliche Demokratie Feuer und Flamme sind, war ja nicht anders zu erwarten. Innerhalb der Partei, d.h. gegenüber den proletarischen Massen die absolute Herrschaft der »Instanzen«, dafür dem Bürgertum gegenüber die weitherzigste »Demokratie« – das ergänzt sich natürlich auf Wundervollste. Daneben haben die Herren verschiedene Blüten ihrer Auffassung zutage gefördert, die für die Erläuterung der Losung der Nationalversammlung äußerst wertvoll sind.

So meinte z.B. Johannes Timm (jetzt Justizminister): »Was die demokratischen Prinzipien betrifft, so ist für mich selbstverständlich, daß die Mehrheit des Volkes und keine wie immer geartete Klassenherrschaft die Entscheidungen über das Volk zu treffen hat.«

Man merke: die sozialistische Abschaffung jeder Klassenherrschaft wird hier, ganz nach alten Mustern des Reichsverbandes, in eine neue »Klassenherrschaft« des Proletariats umgefälscht!

Für Segitz handelt es sich nur darum, »verfassungsmäßige Verhältnisse« zu schaffen.

Den Vogel hat aber Simon abgeschossen. »Wir wissen,« erklärte er, »daß der gegenwärtige Zustand kein idealer ist, weil die Diktatur der Arbeiter- und Soldatenräte keine Vertretung der bürgerlichen Parteien aufweist. Aber diese Diktatur ist vorerst notwendig, um die neue Regierung zu festigen und die Errungenschaften der Revolution zu erhalten.«

Versteht man wohl? Der Mann hält den gegenwärtigen Zustand für »keinen idealen« – nicht etwa, weil dieser Zustand vorläufig auf den alten kapitalistischen Polizeistaat mit nur etwas anderer Fassade und neuen Namen hinausläuft. Nein, er entschuldigt sich …, daß die bürgerlichen Parteien von den obersten Ämtern »vorübergehend« verdrängt worden sind und verspricht, daß die Nationalversammlung dieses schreiende Unrecht wieder gut machen werde! …

Da haben wir die wahren Tendenzen der Mache mit der Nationalversammlung auf flacher Hand.

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