Novemberrevolution und Räterepublik 1918/19 in Augsburg, München und Bayern

Aufruf an die Bevölkerung Augsburgs

Schwäbische Volkszeitung, 9. November 1918

An die Bevölkerung Augsburgs!

Die bisher herrschenden Klassen haben Deutschland an den Rand des Abgrunds geführt. Sie haben den unseligen Weltkrieg heraufbeschworen, haben ihn in frevelhafter Weise verlängert, sie haben sich bis in die jüngste Zeit gesträubt, dem Volke den ersehnten Frieden zu schenken. Es hat sich als notwendig erwiesen, daß das Volk sein Schicksal selbst in die Hand nimmt. Nachdem sich in der Nacht zum 8. November bereits in München ein provisorischer Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat gebildet hat, ist auch in Augsburg am 8. November ein Arbeiter- und Soldatenrat zusammengetreten, der im kleinen Sitzungssaale des Rathauses ständig tagt.

Der Augsburger Arbeiter- und Soldatenrat hat in Augsburg die Gewalt in Händen. Er wird für Ruhe und Ordnung sorgen, Unter keinen Umständen wird er Ausschreitungen zulassen. Gegen Plündernde und Raubende wird er mit den schwersten Strafen einschreiten. Die Sicherheit der Person und des Eigentums wird verlangt.

Die Soldaten werden ihre Angelegenheiten in den Kasernen selbst regeln. Offiziere, die sich den Forderungen der Zeit unterwerfen, sollen ungehindert ihren Dienst versehen. Alle Beamten werden angewiesen, ihren Amtsobliegenheiten nach wie vor gewissenhaft nachzukommen. Die Arbeiter werden gebeten, zu ihren Arbeitsstätten zurückzukehren. Von der ganzen Bevölkerung erhoffen wir, daß sie ruhig ihrer üblichen Tätigkeit nachgeht. Der Arbeiter- und Soldatenrat wird vor allen Dingen seine Aufmerksamkeit der Lebensmittelversorgung der Stadt zuwenden.

Arbeiter, Bürger Augsburgs!

Helft alle mit, daß sich der Übergang in die neuen Verhältnisse reibungslos vollzieht. Schenkt uns Vertrauen, wir haben nur Euer Bestes im Auge.

Es lebe der Friede!

Es lebe die deutsche Republik!

Augsburg, in der Nacht zum 9. November 1918.

Der Rat der Arbeiter und Soldaten:

gez. Simon gez. Niekisch gez. Wernthaler gez. Renner gez. Nörlich gez. Braun gez. Nägele gez. Wilhelm gez. Bertram gez. Vogg

Generalleutnant Hennigs ist von seinem Posten zurückgetreten, Er hat somit an Soldaten keinerlei Befehle mehr zu erteilen.

Der Regierungspräsident von Schwaben und Neuburg, von Praun, erklärte auf Ehrenwort, bis zur vollen Klärung der Verhältnisse auf seinem Posten zu bleiben und nichts gegen den Arbeiter- und Soldatenrat zu unternehmen und auf die ihm untergebenen Organe in diesem Sinne einzuwirken.

Erklärung des Oberbürgermeisters v. Wolfram:

Der Soldaten- und Arbeiterrat sorgt für Aufrechterhaltung der Ordnung im Benehmen mit der Stadtverwaltung und wird insbesondere dafür eintreten, daß das wirtschaftliche Leben und die Lebensmittelversorgung in keiner Weise gefährdet werden.

Die bestehenden Behörden sollen die Geschäfte im Benehmen mit dem Arbeiter- und Soldatenrat weiter führen.

Den Schutz der Stadt besorgt der Soldaten- und Arbeiterrat im Zusammenwirken mit den städtischen Polizeiorganen.

Augsburg, 8. November 1918

gez: Wolfram, Oberbürgermeister

Quelle: Augsburg hinter den Barrikaden. Dokumente zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Augsburg 1918-1933. AV-Verlag Augsburg 1988, S. 28ff.

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