Novemberrevolution und Räterepublik 1918/19 in Augsburg, München und Bayern

Tagebuch: 8. November 1918

Nach den Aufständen der rote Matrosen in Kiel, die zur Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten im ganzen deutschen Reich führen, schwappt die Novemberrevolution auch nach Augsburg.

In der Nacht zum 8. November 1918 ruft der unabhängige Sozialdemokrat Kurt Eisner in München die Republik aus und setzt damit den König ab. »Bayern ist fortan ein Freistaat« schreibt Eisner in einer Erklärung.

Nach der Ausrufung des Freistaats sitzen Soldaten in Augsburg die Nacht über in den Kasernen und beraten über die Bildung von Soldatenräten. Am Morgen des 8. November informiert ein Unteroffizier den damaligen Redakteur der sozialdemokratischen Schwäbischen Volkszeitung, Ernst Niekisch, über die Lage in den Kasernen.

Nach Rücksprache tritt der Redakteur mit den Soldaten in Kontakt und initiiert für den Nachmittag eine große Versammlung. In seiner politischen Rede fordert er dabei die Bildung weiterer Soldatenräte in den anderen Regimentern der Stadt.

Auch in den Fabriken führen die Ereignisse der letzten Tage zu Diskussionen über die Bildung von Räten. Bei der Maschinenfabrik MAN legen die Beschäftigten kurzfristig die Arbeit nieder. Grund hierfür sind Flugblatt-Verteilungen von »wirtschaftsfriedlich und national« gesinnten Arbeitern, welche zu einem letzten Kampf für das Vaterland aufriefen. Die Mehrheit der Arbeiter hat jedoch Frieden im Sinn.

Das Muster ähnelt den Kieler Aufständen, wo sich die Matrosen der Hochseeflotte wenige Tage zuvor gegen ein letztes Auslaufen ihrer Schiffe gewehrt haben. Die Admiräle hatten die Auslaufbefehle trotz der sich abzeichnenden Kriegsniederlage gegeben.

Am Abend organisieren die Mehrheitssozialdemokraten nach Einwirken verschiedener Mitglieder eine große Versammlung im gut gefüllten Saal des Augsburger Ludwigsbaus und gründen einen Augsburger Arbeiterrat mit 27 Mitgliedern. Dieser wird im kleinen Sitzungssaal des Rathauses ständig tagen. Der Ludwigsbau steht dort, wo heute die Augsburger Kongresshalle zu finden ist.

Auch in Nürnberg, Fürth, Würzburg und Ludwigshafen gründen sich im Laufe des 8. November Arbeiter- und Soldatenräte. Weitere bayerische Städte folgen in den kommenden Tagen.

 

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Thema von Anders Norén